Im Jahre 1872 versammelte sich am Sonntag, dem 08. Mai, eine große Anzahl sangesfreudiger Bürger im Gasthaus "Zur Krone" des damals noch selbständigen Dorfes Wieblingen und beschloss die Gründung eines Männerchores mit dem Namen "Eintracht". Erster Vorsitzender wurde Peter Reinhard, als Dirigent konnte der Lehrer und Organist Peter Schlotthauer aus Brühl/Rh. gewonnen werden.

Schwer waren die Anfänge, was der Begeisterung an der Sache jedoch keinen Abbruch tat. Im Winter wurde sogar das Brennholz unter dem Arm mit zur Chorprobe gebracht, um die Schulstube, den Probenraum, zu heizen. Die Brennstoffe waren damals eine teure Angelegenheit, und man hatte noch die Guldenwährung.

Erste vierstimmige Chöre wie "Ännchen von Tharau", "Nun leb wohl du kleine Gasse" oder "Zu Straßburg auf der Schanz" wurden einstudiert. In den ersten acht Jahren des Vereinsbestehens diente das Gasthaus "Zur Krone" als Vereinslokal. Erst im Jahre 1880 zog die "Eintracht" in das Gasthaus "Zum Pflug" und blieb dort bis zu dessen Schließung im Jahr 1943.

Im Jahre 1875 wurde im Rahmen eines großen Sängerfestes die erste Fahnenweihe durchgeführt. Ganz Wieblingen nahm an diesem für den Verein großen und bedeutenden Fest teil.

Von 1879 bis 1902 wurde der musikalische Weg von Herrn Hauptlehrer Emig als Chorleiter geprägt. Große gesangliche Erfolgte waren die Früchte der Arbeit dieses engagierten Chorleiters.

Im Jahre 1900 erfolgte die Gründung des Arbeitergesangvereines "Liederkranz"

1922 feierte die "Eintracht" ihr 50jähriges Jubiläum.

Im Jahre 1933 wurde im Verlauf der damaligen politischen Entwicklung der Arbeitergesangverein "Liederkranz" verboten. Daraufhin schlossen sich einige der Liederkranz-Sänger der Eintracht an. Die Stunde Null war auch für die Sängerbewegung in Wieblingen eine tiefgreifende, schmerzliche Empfindung. Ein großer Teil der einstigen Sängerkameraden war im Feld geblieben, schwer verwundet, vermisst oder wurde irgendwo in der Welt als Kriegsgefangener festgehalten.

In langwierigen Verhandlungen mit den Besatzungsbehörden ist es dem unvergessenen langjährigen Vorsitzenden des zuvor verbotenen "Liederkranzes", Friedrich Nagel, zusammen mit Georg Böhm gelungen, das Wiederaufleben der Sängertätigkeiten in Wieblingen zu erreichen.

Am 26. April 1946 war es dann soweit. Auch in Wieblingen gab es wieder einen Gesangverein mit einem aktiven Chor. Unter dem Vorsitz von Friedrich Nagel, dem späteren Ehrenvorsitzenden, begann der Verein unter dem Namen "Liederkranz" seine Vereinsarbeit. Viele Mitglieder der früheren "Eintracht" schlossen sich daraufhin dem "Liederkranz" an. Noch im gleichen Jahr einigte man sich darauf, beide Vereine unter dem Namen "MGV Eintracht-Liederkranz" zusammenzuführen.

1952 war der Chor auf zwischenzeitlich 110 aktive Sänger angewachsen. Ab dieser Zeit begann man damit, die Jubiläumsdaten jeweils auf 1872, dem Gründungsjahr der "Eintracht", auszurichten. In diesem Zusammenhang wurde das letzte große Sängerfest in Wieblingen mit über 1000 Sängern gefeiert.

1956 begann man eine Sängerfreundschaft mit der Liedertafel Frankenberg/Eder, eine Verbindung, die 42 Jahre lang durch regelmäßige Treffen sehr aktiv gestaltet war.

1972 wurde über drei Tage in einem großen Festzelt auf dem Kerwe-Platz das 100jährige Jubiläum gefeiert. Im Rahmen dieser Veranstaltung erhielt der Verein die Zelterplakette, die vom Bundespräsidenten für Chöre mit 100 jähriger Geschichte gestiftet wird, durch den damaligen OB Reinhold Zundel überreicht. Im gleichen Jahre wurde durch den Verein auch erfolgreich die "Kerwe" durchgeführt.

Von 1969 bis 1984 leitete Herr Volker Jung, Lehrer und Musiker, sehr erfolgreich die musikalischen Geschicke des Vereins. Der Chor machte in dieser Zeit seine erste Erfahrungen mit moderner Chorliteratur. Nach großen Erfolgen in dieser Zeit trennte man sich nach 15 Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit. Leider verstarb Herr Jung im Jahre 1996 viel zu früh im Alter von 53 Jahren.

Wie viele Vereine hatte auch der MGV Eintracht-Liederkranz immer wieder das Problem für die Chorproben und das gesellige Beisammensein geeignete Räumlichkeiten zu finden. Seit 1983 steht nun der Bürgersaal im alten Rathaus als Proberaum zur Verfügung. Im Erdgeschoss hatten sich die Sänger eine kleine "Sängerklause" in Eigenarbeit eingerichtet.

Seit dem 11. Januar 1985 leitet Herr Engelbert Linder aus Kirchheim den Chor. Ein Glücksgriff, wie man heute weiß. Herr Linder versteht es als Musikpädagoge par Excellence, aber auch als Mensch, die Sänger immer wieder zu begeistern, zu motivieren und zu neuen Zielen zu führen.

Unvergessen die vielen Konzerte der letzten Jahre wie "Balalaikaklänge", "Seemannsmelodien", "Operette u. Musical", "Ein Lied geht um die Welt", "Unter südlicher Sonne" u.a..

Im Jahre 1990, wenige Monate nach dem Fall der Mauer, die Deutschland in zwei Teile trennte, nahm der Chor Kontakte mit dem Männerchor Venusberg bei Chemnitz auf. Bei verschiedenen Besuchen und Gegenbesuchen entstanden Freundschaften, die bis heute gepflegt werden.

Im Jahre 1993 musste der Verein nochmals das "Sängerlokal" wechseln. Durch die Einrichtung eines Bürgeramtes der Stadt Heidelberg im alten Rathaus wurden dort Räumlichkeiten benötigt. Dem Verein wurden im "Helbinghaus", dieses liegt gegenüber dem alten Rathaus, andere Räume als Ersatz angeboten. Die Stadt übernahm die Renovierung, und die Sänger gestalteten in Eigenleistung die Räume nach ihren Vorstellungen. Die Chorproben finden weiterhin im Bürgersaal statt.

Im Jahre 1997 hat der Verein seinen 125jährigen Geburtstag gefeiert. Bei dem Festbankett am 26.04.97 in der Turnhalle der Fröbelschule wurden von der Oberbürgermeisterin Frau Beate Weber die Grüße der Stadt überbracht.

Am 10. 05.97 gab der Chor in der Aula der Elisabeth von Thadden Schule unter Leitung seines Dirigenten Engelbert Linder ein großes Wunschkonzert. Aus 60 Liedvorschlägen konnten sich die Wieblinger Bürger insgesamt 20 Titel auswählen, wobei aus den 20 meistgewählten Liedern die Konzertreihenfolge festgelegt war.

Ein großer, bunter Jubiläumsball am 07.06.97 in der Turnhalle der Fröbelschule bildete den Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen. Ein Bauchredner, eine Schalmeienkapelle, eine Sängergruppe als die "Wieblinger Schürzenjäger" und viele mehr trugen zum Gelingen des Abends bei.

Alle drei Veranstaltungen waren ein Höhepunkt in der Geschichte des Vereins und bleiben mit Sicherheit jedem Sänger unvergessen. Die größte Überraschung jedoch war, dass die Frauen der aktiven Sänger, verstärkt durch Freundinnen und Bekannte, sich zu einem kleinen Chor zusammengefunden und unter der "Anleitung" von unserem Chorleiter, Herrn Engelbert Linder, ein Geburtstagsständchen eingeübt hatten.

Somit hatte der "Frauenchor" seinen ersten öffentlichen Auftritt zum Festbankett des Vereins am 26. April 97. Hatte man gesehen, mit welcher Begeisterung hier gesungen wurde, so war erkennbar, dass es sich um die Geburtsstunde des "Frauenchores" handelte.

Stillstand ist Rückschritt, nur wer sich weiterentwickelt hat eine Chance zu bestehen. Dass der Geist des Fortschritts Bestandteil des Vereinslebens ist, zeigt die Tatsache, dass beide Chöre im Herbst 2001 ihr zweites gemeinsames Chor-Konzert zur Aufführung brachten.

Am 19.03.2004 ging in der Jahreshauptversammlung eine Ära des Vereins zu Ende.

Der bisherige 1. Vorsitzende Siegfried Kees übergab den Vereinsvorsitz nach 31 Jahren und 64 Tagen in jüngere Hände. In der Amtszeit von Siegfried Kees erlebte der Gesangverein eine wahre Blütezeit. Der Dank für seine unschätzbare Arbeit für den Verein wurde durch die Verleihung zum bisher ersten und einzigen Ehrenvorsitzenden des Vereins zum Ausdruck gebracht.

Am 22.10.2005 wurde in einem Konzert erstmals ein Projektchor eingesetzt. Sängerinnen und Sänger des Frauen- und Männerchores bildeten den Stamm des Projektchores, der überwiegend englischsprachige Chorliteratur sang.

Am 17.03.2006 beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig, dass der Verein in das Vereinsregister beim AG Heidelberg eingetragen werden soll.

Ebenso erfolgte einstimmig der Beschluss, dass sich der Verein forthin Gesangverein Eintracht Liederkranz 1872 Wieblingen e.V. nennt.

Im Jahre 2008 konnte der Frauenchor bereits auf sein 10jähriges Bestehen zurückblicken. Mit einem „Bunten Abend“ wurde dieser Geburtstag in der Turnhalle der Fröbelschule mit den Einwohnern von Wieblingen gefeiert.

Am 24.10.2009 veranstaltete der Verein in der Kreuzkirche ein in der bisherigen Vereinsgeschichte einmaliges Konzert. Als Solist konnte der Bass des legendären Golden Gate Quartetts, Toni Lorenzo, gewonnen werden. 100 Sängerinnen und Sänger sowie 25 Musiker in Orchester und Rhythmusgruppe wussten das Publikum zu begeistern.

Im Februar 2010 hat die Vereinsführung auf Nachfrage von mehreren jungen singinteressierten Frauen und Männern reagiert und einen reinen „Gemischten Chor“ ins Leben gerufen. Die Resonanz auf einen Presseaufruf war sehr positiv.

Der Chor, der sich jetzt „Living Voices“ nennt und überwiegend moderne Chorliteratur singt, zählt ca. 43 Aktive.